Ihr habt euch sicher schon gefragt, wo wir dieses Jahr die Weihnachtsferien verbringen. Und da will ich hier mal den Schleier lüften – also im wahrsten Sinne des Wortes: wir sind nämlich im Oman.

Wieso jetzt ausgerechnet der Oman?

Ganz einfach: er ist nur 6 Flugstunden von Zürich entfernt, auch im Winter warm genug für uns und es regnet hier fast nie. Dachten wir zumindest. Denn nachdem es für unseren Geschmack während unserer letzten vier Reisen deutlich zu viel geregnet hatte, erwarteten wir hier ausgeprägte Trockenheit mit blauem Himmel.

Soweit die Theorie.

In der Praxis sah das so aus, dass es schon an unserem ersten Tag in Strömen regnete. Das Wetter schaffte es sogar in die internationale Presse, weil das „Unwetter“ im benachbarten Dubai zu einem kompletten Verkehrskollaps führte. Ganz so schlimm war es bei uns im Oman nicht. Das lag allerdings weniger am Wetter, als an der Tatsache, dass es schlicht zu wenig Verkehr für einen entsprechenden Kollaps hat. Denn hier hat man erst die Straßen gebaut und dann kam der Verkehr. In der Schweiz macht man das anders herum. Da kommt erst der Verkehr, dann wird jahrelang über den Ausbau des Strassennetzes debattiert und dann erst folgt der Straßenbau. Wobei die Schweiz irgendwo zwischen Phase 2 und 3 hängengeblieben ist.

Aber zurück zum Oman. Der Oman ist ein Sultanat am südöstlichen Zipfel der arabischen Halbinsel. Die Hauptstadt ist Muskat. Hat aber nichts mit der Gewürz-Nuss zu tun, die Namensgleichheit ist rein zufällig.

Der Oman ist übrigens kein Entwicklungsland. Das Land ist sogar ziemlich reich. Es gibt Erdöl und -gas im Überfluss und daher geht es den Omanis ziemlich gut. Das sieht man auch optisch: alles ist gepflegt, man sieht kaum Müll herumliegen und überall stehen prunkvolle Villen herum:

Typische Villa der Omanis

Also die oben abgebildete Villa haben wir nicht speziell gesucht oder so. Das ist eine von tausenden Villen die hier so am Strassenrand zu sehen sind und sie sind alle ziemlich neu gebaut.

Laut unserem Taxifahrer gibt es hier auch keine Kriminalität. Wir fühlen uns sehr sicher. Und gestern an der Tankstelle fühlten wir uns für einmal ziemlich glücklich:

0.220 Rial für 1 Liter Benzin!!!

Zum Verständnis: 1 Omanischer Rial sind 2.05 CHF. Das haben wir Schweizer auch selten, dass die Fremdwährung mehr Wert ist als die eigene 🤔

Das erste was uns im Oman auffiel, waren die gut gekleideten omanischen Männer. Die haben alle das gleiche an: langes weisses Nachthemd und ein neckisches Käppi mit Stickereien auf dem Kopf. Und das sieht so hier aus:

So sieht ein echter Omani aus!!!

Marco behielt das Kleidchen gleich an und so zottelten wir durch einige Geschäfte. Gleich im ersten Laden guckte der Verkäufer etwas ungläubig, lachte dann und fragte: „Where are you from?“ Marco guckte verdattert und wir mussten lauthals loslachen. Der hatte den Schwindel sofort durchschaut! Also wir haben es ziemlich lustig mit dem Nachthemd 🤣

Daymaniyat Islands

Wir wissen auch nicht wie man das ausspricht. Es handelt sich dabei um eine Inselgruppe nordwestlich der Hauptstadt Muskat. Und wahrscheinlich sind diese Inseln wunderschön. Jedenfalls schwärmt unser Reiseführer ausschweifend davon. Drum hab ich auch vor drei Monaten einen Schnorcheltrip auf die Inseln gebucht. Allerdings wissen wir immer noch nicht, wie toll es da ist, weil unser Inselanbieter die Tour leider absagen musste – wegen schlechter Wetterprognosen. Wir wunderten uns gar sehr und hielten die schlechten Prognosen für einen schlechten Scherz. Und weil ein Unglück selten allein kommt, war der Regentag auch noch ein Freitag. Und bei den Muslimen ist Freitag = Sonntag, also Feiertag. Alles zu und verrammelt. War ja klar. Und da sassen wir dumm da und wussten zunächst nicht was machen. Muskat ist jetzt auch nicht gerade sooo wunderschön, dass wir da einen Tag lang im Regen herumstapfen wollten. Zum Glück entdeckten wir das Aquarium. Das lag in einem Einkaufszentrum und weil diese im Oman 7x24h offen sind, war auch das Aquarium an diesem Regenfreitag geöffnet. Puh! Das war knapp!!!

Drum haben wir auch vom Regen gar nichts mitbekommen. Wir starteten am Morgen im Sonnenschein und am Abend war alles wieder trocken. Wir hätten die Regengeschichte für ein Ammenmärchen gehalten, wenn uns nicht Gabi ein Video von der Apokalypse geschickt hätte. Also ich kann euch versichern, da war mächtig was los, also wettertechnisch.

Gabi hat das Unwetter live mitverfolgt

Und jetzt fragt ihr euch, wer Gabi ist? Also das ging so: wir waren bei unserem Abflug in Zürich mal wieder knapp dran und haben als Letzte das Flugzeug betreten. Und da laufen wir im Flugzeug an Gabi vorbei! Häää? Gabi wohnt auch in unserem Dorf und sass mit ihrer Familie hier im Flieger. Wir waren ziemlich erstaunt: „Was macht IHR denn hier??? Blöde Frage: wir fliegen in den Oman! Wären wir fast selber drauf gekommen 🤣🤣🤣

Und seither kreuzen sich unsere Wege hier ständig, weil der Oman recht überschaubar ist und man zwangsläufig die gleichen Etappen in ähnlicher Reihenfolge ansteuert.

Nizwa

Unser erster Stopp nach der Hauptstadt war Nizwa. Nizwa ist eine kleine Stadt im Landesinneren und bekannt für seine Festung. Die UNESCO hat die Festung auch schon entdeckt und seither ist es das Must Do eines jeden Omanreisenden. Wir haben uns die Festung angesehen, allerdings nur ganz kurz. Wir hatten nämlich ein grosses Problem. Also eigentlich waren es gleich drei grosse Probleme: grosse Villa, grosses Grundstück und grosser Pool. Und wenn ihr unsere Kids fragt, an was sie sich in Nizwa erinnern können, dann wird das definitiv NICHT die Festung sein, sondern das hier:

Pool!
Villa!

Okay, die Festung ist aber auch sehenswert:

Die Festung von innen
Lorenzo irgendwo in der Festung
Kanone

Gleich am Eingang, hinter der Kasse, stand ein Mann mit Gewehr und Patronengurt herum. Wir kamen ins Gespräch und Marco konnte mit ihm gut über die Waffe fachsimpeln, weil er eine ähnliche Waffe zuhause hat. Der Mann meinte dann, wenn die Jungs wollen, können sie ein Foto mit ihm machen. Aber klar doch:

Der sollte wohl die Festung bewachen

Jedenfalls erzählte er, dass er 8 Kinder hat und bei der Anzahl der Enkel wurde es dann etwas schwammig. Ging wohl eher so in den zweistelligen Bereich. Ich machte dann noch eine Nahaufnahme und erklärte, dass er der gutaussendste Grossvater ist, den ich kenne. Daraufhin widersprach mir Leonardo vehement: „Der Nonno daheim in Nidau ist tausendmal schöner!!!“ Also hier noch mal das Portrait:

Das Wachpersonal
Folklore im Festungshof

Also die Folklore im Bild oben war so eine Mischung aus Musik/Tanz und militärischen Übungen. Die waren alle schwer bewaffnet, mit Dolchen und Säbeln, einige hatten einen Patronengurt anstelle eines Gürtels an. Wir waren schwer beeindruckt. Ausserdem war die Truppe recht multitaskingfähig: sie konnten singen, tanzen, kämpfen UND telefonieren. Alles gleichzeitig! Glaubt ihr nicht? Guckt ihr hier:

Der Dritte von links 😉

Der Gesang war übrigens ausgesprochen eintönig und wir sind uns nicht ganz sicher, ob es sich immer um das gleiche Lied handelte oder ob die Lieder einfach alle gleich tönten. Auf jeden Fall waren sie am Abend, als wir gingen, immer noch da und sangen.

Sonnenuntergang auf der Festungsmauer

Und schon war Abend und damit Zeit für ein Nachtessen. Und da stehen wir etwas vor einem Rätsel: schon in Muskat hatten wir Mühe, ein gescheites Restaurant zu finden. Die wenigen Restaurants die wir fanden – nach stundenlanger Suche – waren eher so Take Aways mit dem Charme einer Bieler Dönerbude. Und das in einer Millionenstadt! Aber Nizwa ist deutlich touristischer, wir erwarteten hier bessere kulinarische Versorgung. Allerdings wurden wir herb enttäuscht. Den ersten Abend in Nizwa suchten wir uns den Wolf und latschten uns die Füsse platt. Keine Ahnung wo die reichen Omanis essen gehen, aber offenbar nicht in Restaurants. Am zweiten Abend endlich fanden wir eine Kneipe, wo man wenigstens drinnen sitzen konnte:

Gemütlich im omanischen Restaurant

Auf dem Rückweg zu unserer Prunkvilla gingen wir noch fürs Frühstück einkaufen. Beim Eier kaufen setzte uns fast das Herz aus. Der Verkäufer packte doch tatsächlich 10 Eier in eine Plastiktüte!!!

Zehn Eier im Sack – wir haben sie wirklich alle heil nachhause gebracht…

In der Nacht schlich ich noch etwas durch unseren gut gepflegten Garten – eigentlich auf der Suche nach exotischen Tieren. Ausser einer Kröte habe ich nichts gesehen. Aber dabei stiess ich auf diese seltsame Frucht:

Na, wenn das keine Aubergine ist!!!
Die gabs dann auch grad noch mit zum Frühstück 🙂

Unfreundliche Dorfbewohner und blinde Fische

Wollten wir ja immer schon mal sehen. Also im Ernst. Wir müssen es ja für die Kids immer etwas spannend machen. Und da hatte ich in einem Reiseführer über das Wadi Tanuf gelesen, dass es dort am Ende des Tals ein Dorf mit unfreundlichen Menschen gibt. War ja ganz klar, dass wir da hin müssen! Das Wadi war auch ganz hübsch. Von unfreundlichen Menschen aber weit und breit nichts zu sehen. Die wenigen Menschen, denen wir im Tal begegneten, waren ausgesprochen freundlich. Viele hielten sogar an und erkundigten sich, wie es uns geht, woher wir sind und ob alles okay ist. Also unfreundlich geht irgendwie anders! Aber das Tal hat sich trotz dieser herben Enttäuschung (🤣) gelohnt. Es gab nämlich ganz viele herzige Ziegen:

Das ist mein Tal – ich geh hier auf keinen Fall weg!
Meckmeck

Und die blinden Fische? Die haben wir in der Al Huta Höhle bei Al Hamra gefunden. Bei der Höhle handelt es sich um eine trockene Tropfsteinhöhle, in der sich mehrere unterirdische Seen befinden. Dort tummeln sich die blinden Fische. Die Fische leben in permanenter Dunkelheit, weshalb sich die Augen mit der Zeit zurückentwickelt haben. Aber nicht nur das, sie sind auch kleiner geworden und haben keine Pigmente mehr. Diese Fische sind ein lebendiges Zeugnis der Evolution.

Höhlenführung
Lorenzo und ich versuchen, blinde Fische zu fotografieren

Also die Fischli zu fotografieren, war eine echte Herausforderung. Es war stockdunkel und selbst mit der Handylampe war nicht genug Licht, um mit der Kamera Fotos zu machen. Zum Glück hatte ich die Gopro dabei. Ich öffnete das Absperrtürli und hockte mich ans Wasser und hielt die Gopro direkt ins Wasser. Was zum einen streng verboten ist und zum anderen die einzig sehenswerten Fotos brachte:

Die blinden Fische

Ja, ich weiss, mit diesen Fotos werde ich keinen Preis gewinnen, aber mehr war beim besten Willen nicht zu machen. Plötzlich meinte Lorenzo, da kämen zwei Aufseher, das gibt jetzt sicher ziemlich Ärger. Ich tat so, als würde ich langsam zusammenpacken. Aber die beiden Omanis (gut zu erkennen am Nachthemd und dem Käppi) wollten nur meine Fotos sehen und haben sich erkundigt, ob ich Fotografin bin 😉

Durchs wilde Hajar Gebirge

Als nächstes steuerten wir das Hajar Gebirge an. Dieses zieht sich in Küstennähe von Südosten nach Nordwesten bis in die Vereinigten Arabischen Emirate. Es ist mit bis zu 3000m Höhe jetzt nicht weltbewegend hoch, kann aber um Weihnachten herum durchaus etwas kalt werden:

Weihnachten bei 14,5 Grad im Hajar Gebirge auf 1.450m Höhe

Zunächst landeten wir in einem Kaff namens Misfat al Abryeen. In älteren Reiseführern wird es als das schönste Bergdorf des Omans beschrieben. Leider ist davon nicht mehr viel zu sehen. Das einst malerische Bergdorf ist komplett überlaufen und eine einzige Grossbaustelle. Das einzig Sehenswerte an Misfat ist das Wadi, welches sich direkt hinter dem Dorf anschliesst. Hier verirren sich nur wenige Touristen hin und die wenigen kehren meist nach einer Stunde Wanderung um. Wir gingen weiter und wurden damit belohnt:

Das Wadi hinter Misfat al Abryeen
Der arme Lorenzo musste auf diesen Monolithe raufklettern
Hübsche Steine

An einigen Stellen lagen grössere Feldbrocken mit einem hübschen Muster herum. Ich habe dann aus Interesse mal ein Foto gemacht und es dem ChatGPT gezeigt und der war ganz begeistert und meinte, dass es sich hierbei um 35 Millionen Jahre alte fossile Einschlüsse handelt!

Lorenzo entdeckte dann auch noch etwas Spannendes:

Nanu???
Arabische Kröte

Balcony Walk

Die sogenannte Balkonwanderung ist eines der grossen Highlights des Omans. Es handelt sich um eine halsbrecherische Wanderung entlang einer Felskante im Jebel Schams, auch als Grand Canyon des Omans bezeichnet. Die Landschaft ist spektakulär, die Menschenmassen aber leider auch. Wir starteten die mehrstündige Wanderung erst am Nachmittag. Vorher trafen wir noch Gaby und Familie, die die Wanderung schon am Morgen gemacht hatten. Also brachten wir bei einem Kaffee unsere Oman-Erlebnisse auf den aktuellen Stand und trennten uns dann wieder – mal so für einige Tage.

Der Balcony ist nix für schwache Nerven und ich musste mich leider nach der halben Tour ausklinken: ich bin nicht ganz schwindelfrei und ab der Mitte der Tour wurde der Weg sehr schmal und ging direkt über der Kante entlang, wo der Felsen dann einige Hundert (oder Tausend?) Meter ins Tal abfällt. Leonardo fand das ganze auch etwas zu riskant und blieb bei mir. Ich habe nicht herausgefunden, ob er wirklich Höhenangst hatte oder einfach keine Lust auf die Wanderung. Und hier mal die Impressionen davon:

Balcony Walk – da war der Weg noch etwas breiter…
Lorenzo hat ein Lenkrad gefunden
Das dazugehörige Auto – ist irgendwo falsch abgebogen
Rocchis am Abgrund
Da wurde mir dann langsam mulmig…
Eng!!!!

Wadi Damm

Heute haben wir noch einen Ausflug in ein weiteres Wadi gemacht: Wadi Damm. Warum es so heisst, wissen wir nicht, aber es hat dort tatsächlich einen kleinen Staudamm. Auf dem Weg dort hin machten wir einen kurzen Stop, als ein Bauer mit einem Ziegenkälbchen auf der Schulter daher kam. Und das war ein riesen Herrjieh:

Neu geborenes Ziegenkälbchen
Jöööö!

Wir kamen dann mit erheblicher Verspätung im Wadi an:

Wadi Damm
Felsen mit lustigen Streifen
Mit Wasserfall
Marco im Wadi Damm
Ich im Wadi Damm
Mimi geniesst das Wadi auf ihre Weise

Zwischendurch wurde es etwas komplizierter und wir mussten kleinere Kletterpassagen überwinden:

Da sollte man nicht zu korpulent sein 😉
Lorenzo hat eine Libelle fotografiert!
Jungs mit Palme

Die Bienenkorb-Gräber von Al-Ayn

Zum Schluss stand heute noch eine archäologische Sehenswürdigkeit auf dem Programm: die sogenannten Bienenkorb-Gräber:

Bienenkörbe?

Es ist nicht abschliessend geklärt, was diese bienenkorbartigen Steinhäuschen darstellen. Mit Sicherheit sind sie 5.000 Jahre alt. Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass es sich um Gräber handelt, da man da drin Menschenknochen und Grabbeilagen gefunden hat.

Trulli im Oman 😉
Unsere Kids vor den seltsamen Steinhäuschen
Sehen doch irgendwie süss aus, oder?

So, und damit verabschiede ich mich von euch. Wir gehen morgen in die Wüste – in die Wahiba Sands und werden dort in einem Zelt-Camp übernachten und hoffen, dass es nachts nicht zu kalt wird oder wir nicht vom Camel gebissen werden.

Wir wünschen euch einen guten Rutsch ins Jahr 2026! Machts gut!!! Und übertreibt es nicht mit dem Feiern!

Tschüüüüsssss!