Wir sind zurück aus Borneo und haben die Rückreise in drei Etappen-Flügen via Kuala Lumpur und Abu Dhabi nach Zürich geschafft. Durch 6 Zeitzonen war es eine knappe 23-Stunden-Reise. Dafür sind wir eigentlich ganz fit und wir sind auch gar nicht so schlimm müde.
Aus Borneo hatten wir uns zum letzten Mal vom Kinabatangan River gemeldet. Wir waren im Dschungel unter zweifelhaften hygienischen Bedingungen auf einem Überlebens-Trip und kamen etwas zerzaust zurück in die Zivilisation. Und die Zivilisation fanden wir im kleinen Küstenstädtchen Sandakan. In Sandakan hatten wir ein Reihenhaus am Stadtrand gemietet. Und was wir vorher nicht wussten und was auch totaler Zufall war: im Reihenhäusschen gab es eine wunderschöne Waschmaschine und eine warme Dusche. Und beides hatten wir sowas von nötig!!!

Wir hatten übrigens jedes Mal beim Heimkommen Mühe, unser Häusschen zu finden. Und das lag nicht am fehlenden Orientierungssinn. Die Reihenhaus-Siedlung bestand aus mehreren Parallelstrassen und sowohl Strassen als auch Häuser sahen alle tupf genau gleich aus:

In Sandakan gibt es nicht viel zu tun für Touristen und so waren wir hier auf weiter Front die einzigen Weissen. Dabei ist Sandakan gar nicht so unspannend. Guckt man sich Sandakan aus der Luft an, fallen nämlich gleich drei Merkwürdigkeiten auf:



Wir hatten in Sandakan nur einen Tag Zeit und das wurde dann ziemlich hektisch. Wäsche waschen musste ich ja nebenbei auch noch irgendwie. Und so fuhren wir ins Stadtzentrum und suchten Merkwürdikeit 1 auf: den Puu Jih Shih Tempel. Dabei handelt es sich um den grössten chinesisch-buddhistischen Tempel der Stadt. Die Lage auf einem Hügel mit Blick auf das Meer ist einmalig. Guckt hier hier:

Also das Ding da vorne rechts ist übrigens eine Swastika und die wird als Zeichen – unter anderem für Glück und Harmonie – in verschiedenen asiatischen Kulturen und Religionen verwendet. Warum ein deutscher Reichskanzler österreichischer Abstammung mit neckischem Schnautzbärtli das Ding umdrehte und für düstere Zwecke missbrauchte, ist nicht klar zu beantworten. Interessierte aber auch nicht weiter, weil der Tempel richtig hübsch war:







Und damit kommen wir direkt zu Merkwürdigkeit 2. Und da muss ich zugeben: hier habe ich den ChatGPT bemüht und gefragt, was das ist. Die Antwort ist ganz einfach: es handelt sich um die Luftaufnahme eines chinesischen Friedhofs. Ich hatte ja schon in vorangegangenen Blogbeiträgen geschrieben, dass Friedhöfe in fremden Kulturen immer sehr interessant sind. Wir erinnern uns an die schwarz-weiss-karierten Gräber auf Guadeloupe oder den städtischen Friedhof in Windhuk mit seinen Kindergräbern. Von chinesischen Gräbern hatten wir keine Ahnung und so wollten wir uns das mal anschauen. Und das sah dann so aus:

Chinesische Einwanderer gibt es in Sabah schon seit 150 Jahren. Sie kamen einst als Handelsleute sowie als Arbeitskräfte für die britische Nordborneo-Company. Die Nachkommen dieser Einwanderer sind auch heute noch als Chinesen optisch erkennbar, allerdings sprechen sie nur noch wenig bis gar kein Chinesisch mehr. Unser erster Taxifahrer in Kota Kinabalu war ein Chinese. Marco verwickelte ihn dann schnell in ein Gespräch, was dieser dankend annahm. Er war ein lustiger Kerl und hatte immer was zu lachen. Auf die Frage, ob er denn einheimische Chinesen von chinesischen Touristen unterscheiden könne, lachte er erst einmal herzhaft und erklärte dann, dass das kein Problem sei. Die einheimischen Chinesen sehen „normal“ aus und passen optisch nach Sabah. Chinesische Touristen hingegen sind aufgebretzelt und tragen unpassende Kleider. An diese Regel musste ich während unserer Reise immer wieder denken, wenn ich chinesische Touristinnen albern kostümiert mit gaaaanz knappen Miniröcklein und Stöckelschuhen sah.
Aber zurück zu den Gräbern. Also ich weiss jetzt nicht, ob Gräber in China auch so aussehen, aber hier haben sie so eine ovale Form und sind streng nach Feng Shui ausgerichtet – wegen der bösen Geister:

Dem aufmerksamen Betrachter ist sicher aufgefallen, dass die Gräber etwas verwahrlost wirken. Auch wir hatten diesen Eindruck und der verstärkte sich noch, als wir diese Treppe hier aufstiegen:

Offenbar sind die Nachkommen der hier Begrabenen entweder selbst schon verstorben oder aus der Gegend weggezogen und nun kümmert sich niemand mehr um die Gräber. Begünstigt durch das tropische Klima überwuchert die dichte Vegetation das Areal rasant.
Nach einem kurzen Zwischenstop bei McDonalds:

…und beim obligatorischen Selfie-Point:

… ging es straight zur letzten Merkwürdigkeit: der ominösen farbenfrohen Siedlung auf dem Meer. Dabei handelt es sich um das sogenannte Sim Sim Watervillage (Wasserdorf), ein historisches, auf Stelzen über dem Meer erbautes Dorf. Und das wollten wir unbedingt auch noch gesehen haben:

Bei diesem Wasserdorf handelt es sich übrigens nicht um eine Touristenattraktion, sondern um einen lebendigen Stadtteil von Sandakan. Das bedeutete für uns, dass wir hier den Leuten in ihre „Vorgärtli“ gaffen und es auch keinerlei Wegweiser gibt. Marco war das wie immer total peinlich, aber da musste er jetzt durch. Wir entschieden uns spontan für Jambatan 6 (Jambatan heisst „Brücke“) und gingen selbstbewusst und freundlich grössend an den Anwohnern vorbei.


Mich erinnerten diese Stelzenhäuser an die prähistorischen Pfahlbauten im süddeutschen Sprachraum. Natürlich haben beide nichts miteinander zu tun, immerhin liegen fast 8.000 Jahre und knapp 11.000 Kilometer Differenz zwischen ihnen. Und dennoch haben hier Menschen mit fast identischen architektonischen Antworten auf ähnliche geografische und klimatische Herausforderungen reagiert. Also wer sich mal einen Eindruck holen will, wie es in so einer Pfahlbautensiedlung am Bodensee ausgesehen haben könnte – ich glaube das Wasserdorf von Sandakan gibt da ziemlich realistische Einblicke.
Und damit verlassen wir das Städtchen Sandakan und begeben uns in wieder in den Norden Sabahs. Wir wussten, dass wir auf der Fahrt dahin wieder durch das Bergstädtchen Ranau kommen. Ihr erinnert euch vielleicht an unsere vergebliche Suche nach einer blühenden Rafflesia dort in den tropischen Regenwäldern am Mount Kinabalu. Und da dachten wir, einen Versuch ist es wert: fragen wir doch sämtliche Gartenbesitzer der Rafflesia-Gärten von Ranau per Whatsapp an, ob nicht vielleicht doch noch eine Stinkblume für uns blüht…
Dschungel-Stinker Rafflesia
…und da geschah das Unglaubliche: es meldeten sich gleich mehrere Gartenbesitzer mit der freudigen Botschaft: „Yes we have blooming Rafflesia!“ Also so ganz glaubte ich das noch nicht. Warm sollten jetzt plötzlich zehn Rafflesien blühen, wenn vor einer Wocher noch gar nichts geblüht hat und uns auch niemand gesagt hat, dass sie eine Blüte für die nächsten Tage erwarteten. Und wieso blühen die jetzt grad alle mit einem Mal?
Also zumindest die letzte Frage konnten wir uns gleich selbst beantworten: die Rafflesia ist ja nicht nur die grösste Blüte dieser Welt – nein! Damit nicht genug: sie stinkt auch noch nach Aas und Verwesung! Und das macht sie nicht aus Langeweile, sondern weil sie damit Fliegen anlockt, die ihre Eier gern auf Aas ablegen. Die Rafflesia nutzt die Fliegen sozusagen zur Fremdbestäubung. Was nur Sinn macht, wenn gleich mehrere Rafflesien zeitgleich blühen. Und das taten sie genau an diesem denkwürdigen Tag:



Übrigens imitiert die Rafflesia das Aas nicht nur mit dem Verwesungsgeruch, sondern auch optisch sieht sie aus wie das Fleisch eines verendeten Tieres. Und damit nicht genug: sie kann sogar Wärme erzeugen!


Die Rafflesia ist übrigens ein sogenannter Vollschmarotzer. Sie lebt ausschliesslich von Wirtspflanzen und betreibt keine eigene Photosynthese. Das Pflanze-Sein hat sie daher komplett eingespart und besteht eigentlich nur aus einer riesigen, am Boden stehenden Blüte.

…sondern die Knospe einer Rafflesia. Die wächst etwa 9 Monate lang heran und bläht sich dann plötzlich auf Rotkohl-Grösse auf. Innerhalb weniger Stunden bricht die Knospe zu einer bis zu 1m grossen Blüte auf. Nach fünf Tagen kollabiert die Blüte dann schon wieder und fällt als brauner schleimiger Klumpen in sich zusammen. Ganz grosses Dschungel-Kino!!!

Road Trip in den Norden
Viel Zeit konnten wir mit der Rafflesia leider nicht verbringen, wir hatten noch eine etwa 4-Stündige Fahrt in den Norden vor uns. Und die Strasse führte durch einsamen und unberührten Dschungel und jeder war im Auto so bisschen mit sich beschäftigt, als wir Marco plötzlich fluchen hörten. „Gear Box!!!“. Alle guckten ratlos? Was für ’ne Box??? „Die f…ing Schaltung funktioniert nicht mehr.“ Neee, is ja klar, isn Automatik, musste nich schalten – hörte ich mich sagen. Böser Blick von rechts (Fahrerseite, Linksverkehr!). Also die Automatik-Schaltung unseres Chinesen-Lambo hatte sich auf den 3. Gang geeinigt und bliebt dort, unabhängig davon wie schnell Marco fuhr. Und im Moment fuhr er sehr langsam und wurde sogar immer langsamer, weil wir uns im 3. Gang einen sehr steilen Berg hoch quälten. Das Motorengeräusch ging von Tenor über Baryton in einen grummeligen Bass über und wurde schliesslich immer leiser. Und noch leiser. Und noch leiser. Im Auto war es auch plötzlich sehr leise und es beschwerte sich für einmal niemand darüber, dass wir keinen Handyempfang hatten – auch das noch!!! Also der Motor pfiff aus dem allerletzten Loch und schaffte es gerade noch gaaaaaanz knapp über die Bergkuppe. Marco fuhr links ran und versuchte herauszufinden, wie man die Motorhaube öffnete. Die ging dann mit einem hohlen „Plobb“ auf und wir sahen mit fachmännischem Blick: nichts.
Und dann tat Marco das einzig Sinnvolle: er schloss die Autotüren und wartete einige Minuten. Dann startete er den Motor und das Problem war weg. Und kam auch nie mehr wieder! Und schon waren wir wieder unterwegs und kamen wohlbehalten an unserer Dschungel-Hütte bei Kudat ganz im Norden von Sabah an:

Der Besitzer dieser Villa ist ein Chinese, der mit Palmöl zu Geld gekommen ist. Die Villa hat er selber gebaut und äusserst liebevoll und kreativ gestaltet. Und er hatte offenbar ein Faible für seltsame Haustiere:



Tip of Borneo
Hierbei handelt es sich um die nördlichste Landspitze Borneos, also das Nordkap von Sabah. Unser chinesischer Taxifahrer aus Kota Kinabalu hatte uns gesagt, dass wir da UNBEDINGT hin müssen. Die Sonnenuntergänge dort sind unbeschreiblich. Hmmm. Naja. Sonnenuntergänge. Okay, wenn’s unbedingt sein muss. Ausserdem liegt es am Weg:







Pulau Banggi – die Erfindung des totalen Müssiggangs
Irgendetwas muss auf Reisen immer schief gehen. Sozusagen Murphys Gesetz. Und ich hatte mich schon gefragt, was es auf dieser Reise sein würde. Ich meine: unsere Koffer waren alle da, das Auto ist nicht mitten im Dschungel stecken geblieben, Mimis Übelkeit zu Beginn unserer Reise ist auch wieder von allein verschwunden. Das konnte ja nicht so weitergehen – war ja sonnenklar. Bei uns war es Pulau Banggi.
Pulau Banggi ist die grösste Insel Borneos, sie schliesst sich direkt an den Tip of Borneo an. Wir hatten dort vor etwa 2 Monaten eine Unterkunft für 3 Nächte gebucht und wollten bisschen am Strand sein und das Meer mit allen Facetten geniessen: Baden, Schnorcheln, Tauchen – was man so macht am Meer. Leider erwies sich diese Insel als totaler Reinfall.
Schon einen Tag vor der Überfahrt nach Banggi meinte Marco plötzlich, dass die Bewertungen unserer Unterkunft auf Banggi zwar ausnahmslos sehr gut waren. Aber die Leute schrieben auch, dass man das Meer wegen der Krokodile nicht nutzen kann und dass der Strand vor den Strandbungalows total hässlich sei. Ich konnte mir das irgendwie nicht so richtig vorstellen. Ausserdem übertreiben die Leute meist schamlos – sie müssen immer etwas zu meckern haben. Wird schon nicht so schlimm. Dachten wir.
Also es ist ja so, dass ich im letzten Blogbeitrag geschrieben hatte, dass wir es jetzt etwas ruhiger angehen wollen. Aber sooooo ruhig wollte ich es jetzt auch nicht unbedingt.
Aber der Reihe nach. Das Drama ging nämlich schon an der Fähre los. Der Fährhafen befindet sich in Kudat, der einzigen Stadt am Zipfel von Borneo. Wir hatten die Fähre für 14:30 Uhr reserviert und kamen etwa 30 Minuten vorher am Hafen an. Und dort bot sich uns dieses Bild:

Also da dümpelten zwei Fähren im Hafenbecken herum: eine grosse, schöne, moderne Fähre und daneben eine rostige, alte, heruntergekommene, kleine Fähre. War ja klar, welche heute für uns fahren würde! Und genauso klar war, dass die genau heute einen Motorschaden haben würde. Und oberklar war auch, dass genau heute Sonntag ist und es aussergewöhnlich viele Menschen und Gepäck auf der Fähre haben würde. Und wir mittendrin:

Muss ich erwähnen, dass bei Motorschaden die Klimaanlage nicht läuft und sich die Fenster nicht öffnen lassen? Neee, ist doch selbstverständlich. Also die Fähre lag da im Hafen herum und es waren gefühlte hundert Grad plus extreme Luftfeuchte und der ganze Hafen stank nach altem Fisch und Verwesung. Es war grenzwertig.
Nach einer Stunde geschah plötzlich ein Wunder. Eine Frau kam zu uns und erklärte, dass sie am Motor arbeiten und dass die Fähre um 16 Uhr abfahren würde. Wir schauten uns zweifelnd um. Alle wirkten total entspannt, ausser uns regte sich auch niemand auf. Offenbar passiert das hier regelmässig. Aber es sah wirklich nicht danach aus, als ob hier in der nächsten halben Stunde irgendetwas passieren würde:

Ungefähr um 10 Minuten vor 4 geschah das nächste Wunder: der Motor sprang plötzlich an. Er klang zwar etwas rostig und stotterte unwillig vor sich hin, aber ein Anfang war gemacht. Und mehr noch: die Klimaanlage nahm ihren Dienst auf. Was unweigerlich zur Folge hatte, dass sich nun die Menschenmengen alle in den Schiffsrumpf quetschten. Mensch war das kuschelig!!!
Um kurz nach vier setzte sich unser Rosthaufen in Bewegung und so knatterten wir zwei endlose Stunden lang Richtung Banggi Island. Und dort erlebten wir den nächsten Kulturschock:

Also beim Anblick dieser „Brücke“ war ich dann doch etwas in der Bredouille: wie kriegen wir denn da unsere 25kg-Koffer drüber, ohne dass die im Meer versinken???
Okay, das haben wir irgendwie hingekriegt – vor allem mit Hilfe einiger Einheimischer. Und schon tat sich das nächste Kuriosum auf: unser Transport zur Unterkunft. In Form eines weissen Kleinbusses. Baujahr ungefähr Spätantike, Kilometerstand nicht mehr lesbar weil die Anzeige verschimmelt war, alles rostig und klapperig. Aber der Fahrer super drauf:

Also Büschen hier war ein Kusiosum erster Güte: der hatte nämlich aufgrund höheren Alters auch gar keine Sitze mehr drin. Also zumindest keine originalen Sitze. Stattdessen stand da eine Couch drin. Habt ihr richtig gehört – ein Dreisitzer wie ihr ihn noch von Omi aus der guten alten Stube kennt. Nur dass der hier als Sitzgelegenheit in einem Fahrzeug dient:

Ach ja, die Fahrt dauert 1.5 Stunden, also nicht grad um die Ecke. Und wir hatten auch schon etwa die Hälfte der Strecke geschafft, als unser Fahrer plötzlich von der Strasse abbog und rechts auf einen Vorplatz zu einer Hütte fuhr. Er erklärte uns, dass er noch schnell tanken muss. Wir guckten sehr erstaunt. Also vor allem weil hier nichts nach einer Tankstelle aussah. Wir waren im tiefsten Dschungel abseits jeglichen menschlichen Fortschritts. Wo will er denn hier im Dschungel tanken??? Aber er war da sehr zuversichtlich, schnappte sich eine 1.5-Liter Plastikflasche und verschwand in der Finsternis. Ich wollte es genau wissen und ging um den Minibus herum und fand dort unseren Fahrer. Er rümschelte geräuschvoll an einigen Plastikfässern herum und diskutierte mit einer älteren Frau, die gerade dahergeschlurft kam. Dann nahm er ein einen kurzen Schlauch, saugte bisschen an und liess Diesel in sein Plastikfläschli fliessen. Ich war einigermassen fassungslos, und glaubt mir: ich hab schon viel gesehen!


Als es dann nach 20 Minuten mal weiterging, fragte Marco ihn, warum er denn nicht am Hafen getankt hat. Das wäre doch einfacher gewesen. Jaaaa, coole Idee! Aber da ist das Benzin alle, das wurde nicht geliefert und jetzt haben die am Hafen nichts mehr. Kommt vielleicht nächste Woche wieder. Und sonst halt übernächste Woche. Oder so.
Und schon waren wir da, in unserer Unterkunft für die nächsten drei Nächte: Tammoyo Place:

Wir hatten hier diesen schönen Strandbungalow:

Der Bungalow befand sich unmittelbar am Meer. Das war die gute Nachricht. Die andere Nachricht: wir dürfen auf keinen Fall ins Meer gehen, auch nicht ins ganz flache Wasser! Unter keinen Umständen!!! Hier wimmelt es von Krokodilen! Also ich weiss jetzt nicht, ob wir das wirklich geglaubt hätten und selbst wenn, ob es uns wirklich abgehalten hätte, ins Wasser zu gehen. Aber als ich beim abendlichen Strandspaziergang das hier fand:

…da war klar, dass hier nicht gescherzt wird. Das ist bitterer Ernst. Wir sind hier direkt am Meer, aber wir dürfen keinen Fuss da rein setzen. Lebensgefahr!!! Ich war etwas am Anschlag. Blöde Krokos!!!
Okay, jetzt sind wir mal hier – machen wir das beste draus. Ich versuchte mich in Zweckoptimismus. Wir waren schon oft nach Einbruch der Dunkelheit irgendwo angekommen und es war ganz schlimm und als am anderen Morgen die Sonne aufging, sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Nur hier sah die Welt am morgen immer noch so übel aus:

Das Meer direkt vor unserer Strandhütte hatte übrigens wirklich diese grusige braune Farbe wie auf dem Foto oben. Das lag an den beiden Zuflüssen links und rechts von unserem Strand:

Also diese zwei Flüsse waren der Grund allen Übels. Und was noch erschwerend hinzu kam: die Flüsse waren unpassierbar. Wegen der Krokodile. Das bedeutete, wir konnten zwei Tage lang Strandspaziergänge machen. Und da hatten wir die Qual der Wahl: gehen wir 500 Meter nach links? Oder lieber 500 Meter nach rechts? Weil weiter ging es dann nicht wegen der Zuflüsse:

Am zweiten Tag hatten wir dann endgültig die Nase voll und wollten aus purer Verzweiflung einen Schnorcheltrip beim Chef buchen. Das hatte er uns schon im Vorfeld per Whatsapp angeboten. Ein Bick auf die Preise und uns war klar, dass das mit fünf Personen eigentlich nicht finanzierbar ist. Aber jetzt waren wir soweit. Wir kratzten unsere letzten Geldreserven zusammen und buchten beim Chef einen Bootstrip zu einer vorgelagerten Insel. Alle waren guter Hoffnung – endlich mal weg von diesem tristen Strand!
Und dann hatte das Boot einen Motorschaden! Das war ja sowas von oberklar!!!
Und wie kriegen wir jetzt den Tag rum??? Also da entwickelte jeder so seine eigene Stategie, sozusagen die ultimative Kultivierung der Langen Weile:






Weg von der Insel und rein ins Wasser!!!
Am nächsten Tag reisten wir schon vor dem Morgengrauen ab. Die Fähre fuhr – zum Glück – am Morgen um 8 Uhr! Und wir mussten ja noch 1.5h Stunden durch den Dschungel zum Hafen fahren. Wieder mit dem Bus mit der Couch. Aber diesmal ohne Dschungeltankstelle. Zurück auf dem Festland zog es uns – also vor allem mich – mit Macht ins Wasser. Nachdem ich zwei Tage lang das Meer angeguckt hatte, wollte ich ENDLICH Schnorcheln!!! Und da kamen wir beim Tip of Borneo an diesen Strand:


Während die Familie den Strand genoss, stürzte ich mich in die Fluten und Schnorchelte das ganze Riff ab. Es war ein Traum! Guckt ihr hier:


























Zwischendurch kam Lorenzo dann auch noch daher und entdeckte etwas Seltsames:

Also ich hatte diese Kugeln auch früher schon beim Schnorcheln oder Tauchen gefunden und mir entweder gar nichts dabei gedacht (meistens) oder gedacht (selten), es könnte sich um ein Eigelege handeln. Lorenzo will es immer ganz genau wissen und durchforstete am Abend das ganze Internet. Und er fand heraus, dass es sich um einen der grössten lebenden Einzeller der Welt handelt. Also diese ganze Kugel da besteht aus nur einer einzigen riesigen Zelle! Boah. Es handelt sich übrigens um eine Kugelalge, lateinisch valonia ventricosia.
Als ich aus dem Wasser kam, guckte mich die Familie so komisch an. Ich fragte, was los sei, ob ich irgendwas verpasst hätte. Nöööö, aber ob mir denn bewusst sei, dass ich jetzt sage und schreibe fünf Stunden lang im Wasser gewesen sei??? Öhm, neee. Also das kann jetzt wirklich nicht sein. Das wär mir doch sicher aufgefallen. Die Familie hatte jedoch keinen Nerv für meine Bedenken. Marco rechnete vor, dass wir jetzt seit halb elf hier am Strand seien und mittlerweile ist es kurz vor vier Uhr!!! Echt jetzt??? Fünf Stunden? Das ist jetzt aber bissl viel, sogar für mich. Und da muss ich noch zu meiner Schande gestehen, dass ich eigentlich nur das Wasser verlassen hatte, weil meine beiden Unterwasserkameras keinen Akku mehr hatten. Sonst wäre ich da jetzt sicher immer noch am Schnorcheln 😉
Mantanani Island
Manta… waaas??? Ja genau! Die Insel kannten wir auch bis vor einer Woche noch nicht. Aber als das mit Pulau Banggi so jämmerlich in die Hosen ging, wollten wir es jetzt mal mit einer richtigen Insel versuchen. Tauchen wollten wir nämlich auch noch. Und da fanden wir auf Google Maps diese Insel hier:

Die Insel liegt nördlich der Nordküste und versprach klares Wasser und gute Tauchgründe. Zumindest orteten wir dort eine Tauchstation und die sind ja sicher nicht zum Spass hier. Und so gönnten wir uns für die letzten drei Tage unserer Reise ein kleines Resort und genossen diese wunderschöne Insel:

Auf Mantanani Island hatte übrigens niemand von uns Langeweile. Es gab immer was zu tun:
Schnorcheltrip zum vorgelagerten Hausriff:

Quadfahren:




Und spätenstens beim Tauchen hatten alle den Plausch:











Also ich geb es zu: das Tauchen war etwas abenteuerlich. Wir waren mit den drei Tauchguides und zwei Bootsführern allein und es ging etwas chaotisch zu und her. Strömung hatten wir auch noch – der arme Leonardo! Und das Equipment war in fragwürdigem Zustand. Aus sämtlichen Dichtungen kam Luft heraus. Will heissen: die Dichtungen waren mitnichten dicht! Aber Freude herrschte trotzdem:


Und damit verlassen wir Mantanani Island. Noch ein letztes Foto und schon ging es wieder heimwärts. Und das wurde auch höchste Eisenbahn: die Schule hatte schon wieder begonnen und der Monsunwechsel bringt nun auch langsam verstärkt Regen. Zeit, heimzukehren.

Reisen in Sabah – Schlussbetrachtung
Nach so einer Reise stellt man sich ja immer zwei Fragen: Hat es uns gefallen? Jaaaa! Würden wir Borneo wieder bereisen? Jaaaaaa!!! Aber ohne Pulau Banggi…
Reisen in Borneo ist immer ein kleines Abenteuer. Und Abenteuer beginnt dort, wo die Komfortzone aufhört. Das trifft auch auf Sabah recht gut zu. Unsere Komfortzone endet definitiv bei über 30 Grad und extremer Luftfeuchte. Wir hatten uns naiverweise eingebildet, wir seien nach dem europäischen Jahrhundert-Sommer bestens auf die Tropen vorbereitet. Das war natürlich ein ziemlicher Trugschluss. Feuchtigkeit verstärkt den Temperatureffekt und so waren wir hier 3 Wochen lang nur am Schwitzen und der Schweiss lief uns in die Augen und brannte dort und unter meiner Armbanduhr hat sich irgendein Gewächs gebildet und einen roten Ausschlag hinterlassen. Also die Klimaanlage war irgendwann das wichtigste Kriterium für eine Unterkunft. Was sich natürlich nicht immer umsetzen liess – wir erinnern uns an den Überlebenstrip am Kinabatangan River.
Wen das alles nicht stört, dem können wir Sabah aber wärmstens empfehlen. Sabah ist das krasse Gegenteil von Overtourism. Wir waren eigentlich fast überall die einzigen Touristen und vor allem Weisse haben wir selten gesehen – und die fallen ja eigentlich schon aufgrund ihrer Körpergrösse auf. Die Malaysier und auch die einheimischen Chinesen sind im Schnitt 10cm kleiner als wir Schweizer. Mimi hat dann noch festgestellt, dass sie mit ihren 1.68 Metern Körpergrösse grösser ist als ein durchschnittlicher malaysischer Mann. 😮

Menschen in Sabah
Das heimliche Highlight unserer Reise waren definitiv die Einheimischen! Egal ob Malaysier oder einheimische Chinesen: die Locals sind angenehm zurückhaltend und herrlich unaufdringlich. Nirgends wurden wir zum Kauf gedrängt, nie übers Ohr gehauen. Im Gegenteil: im Restaurant wurde oft zu unseren Gunsten abgerundet. Generell wurde es beim Bezahlen oft abenteuerlich: selbst beim einfachen Zusammenrechnen der Waren wurde oft zu unseren Gunsten falsch addiert. Marco hat ihnen dann immer etwas geholfen und sie waren dann eher peinlich berührt, wenn er ihnen das zu viel gezahlte Wechselgeld wieder zurückgab.


Vielleicht noch ein Wort zu den chinesischen Touristen in Sabah. Ich hatte ja schon erwähnt, dass Sabah touristisch nicht gerade überlaufen ist und dass wir an den meisten Orten ganz alleine waren. Wenn überhaupt noch andere Touristen da waren, dann Chinesen. Das wussten wir im Vorfeld schon und hatten da – ich muss es ehrlich zugeben – etwas Bedenken. Wir haben ja hier in der Schweiz auch viele Touristen aus China und die sind irgendwie nicht so beliebt. Die haben in Luzern zum Beispiel auch schon Hausverbot, weil sie überall hinspucken. Stand so in der Zeitung. Und drum hatten wir da etwas Vorbehalte und waren nicht so amused über die Chinesen hier. Allerdings muss ich sagen, dass wir die Chinesen als äusserst angenehme Volksgruppe erlebt haben. Sie reisen meist allein, zu zweit oder als 1-Kind-Familie und sind äusserst zurückhaltend. Kein Spucken, kein Lärm, keine Parties – fast schon etwas langweilig…
Religionen in Sabah
Alle, die mich kennen, wissen es: ich bin überzeugter Atheist und eher gar kein Fan von Religionen. Aber hier in Sabah habe ich Religionen fast schon als etwas Positives erlebt. Der Islam ist die offizielle Staatsreligion Malaysias. Aber gefühlt alle anderen Religionen und Glaubensrichtungen sind hier auch präsent und leben in friedlicher Koexistenz. Und das meine ich auch physisch: Da stehen Moschee, Kirche und Tempel so dicht beieinander, dass man morgens beim Spazierengehen noch schnell spontan entscheiden kann, ob man jetzt doch lieber zur Messe geht und den Gebetsteppich heimlich im Beichtstuhl versteckt. Sabah hat uns gezeigt, was in Europa irgendwie unmöglich ist: dass Religionen ohne Drama miteinander auskommen können. Und das Beste für uns Langschläfer: Sogar der Muezzin hat uns in Ruhe gelassen. 😀

Müll, Müll und immer wieder Müll
Aber es gibt – wie überall – einen Haken: und das ist der Müll. Während die Hauptstadt Kota Kinabalu noch einigermassen sauber und aufgeräumt daherkommt, sieht es im Rest des Bundesstaates ganz anders aus: das Land ist komplett zugemüllt. Ich weiss nicht, ob Sabah gar keine Müllentsorgung hat oder ob es die Einheimischen einfach nicht stört, wenn überall Plastik herumliegt – jedenfalls uns hat es gestört. Besonders der Umgang mit Einweg-Plastik ist problematisch. Es wird alles in Plastiksäcke verpackt, auch Obst und Gemüse am Strassenrand wird oft in Plastik gehüllt, damit es schöner aussieht oder was weiss ich warum. Und weil niemand das Leitungswasser trinken kann, werden exorbitant viele Plastikflaschen für den Wassertransport genutzt und die Flaschen liegen dann alle am Strand herum – übrigens MIT DECKEL!!! Und während wir uns in Europa mit unbrauchbaren Papierstrohhalmen herumärgern, bekommt man zu JEDEM Getränk in Sabah einen fetten Plastikstrohhalm! Also die gut gemeinten Umweltaktionen der EU in allen Ehren, aber hier haben wir uns schon ein paar Fragen gestellt.

Da helfen dann auch nicht solche gut gemeinten Aktionen:

Und damit schliesse ich unseren Borneo-Blog und verabschiede mich bei all unseren treuen Lesern und danke euch für die vielen Kommentare.
Apropos Kommentare: jetzt habe ich hier ganz viel erzählt – nun seid ihr dran! Jetzt dürft ihr hier munter drauf los schreiben und gerne einen Kommentar hinterlassen. Ihr wisst ja: Kommentare sind der Beifall des Bloggers 😉😉😉




16. Oktober 2026 um 17:38
Wow Andrea, das war nun eine wunderbare Lektüre zum Start ins Weekend. Einfach spannend, was ihr immer wieder erlebt. Da war der Oman ja Nasenwasser, wenn ich eure Tripps zu anderen Destinationen vergleiche.
Gibt es eigentlich einen Ort auf eurer bereisten Welt, wo ihr auf keinen Fall mehr hinfahren würdet? Und wo wollt ihr unbedingt mal hin, geht aber aktuell (aus welchem Grund auch immer) nicht?
Guten Start in den CH Alltag! Wir hören uns schon bald.
Gabi
16. Oktober 2026 um 18:17
Liebe Frau Rocchi
Herzlichen Dank für den wunderbaren Reisebericht! Er ist schlicht und einfach grosses Kopfkino und eine pure Lesefreude!
Mit wie viel Witz, Charme und feiner Selbstironie Sie selbst die härtesten Prüfungen – sei es das rustikale „Couch-Auto“ im Dschungel, die stundenlange Krokodil-Insel ohne Entkommen oder die tropische Schwitz-Kur – aufs Korn nehmen, ist absolut bewundernswert.
Es ist diese wunderbare Mischung aus echtem Entdeckergeist, tiefem Staunen über die Natur (von der stinkenden Rafflesia bis zu den faszinierenden Unterwasserwelten und den winzigen Nacktschnecken) und dem ehrlichen Blick für die Menschen und Eigenheiten vor Ort, die Ihre Berichte so lebendig und unvergesslich machen. Auch für die wunderschönen Unterwasserbilder herzlichen Dank – so etwas sieht man wirklich nicht jeden Tag! (-;
Man fühlt sich bei jeder Zeile, als sässe man direkt mit im Auto oder am Strand von Mantanani oder wo auch immer.
Mit lieben Grüssen
Fam. R. Arn
16. Oktober 2026 um 18:39
Ich bin wie immer begeistert.
16. Oktober 2026 um 19:20
Bim wie immer begeistert.