Wir sitzen hier am Kinabatangan Fluss und sind fix und fertig. Nach drei Tagen im Dschungel, ohne Dusche, ohne fließend Wasser sehnen wir uns nach den Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation.

Wir müffeln wie die Iltisse und sind von Mücken zerstochen. Aber wir sind voller Eindrücke von der grandiosen Natur hier im Regenwald.

Wir sind in Borneo, der drittgrößten Insel der Welt. Genauer gesagt im malayischen Bundesstaat Sabah. Das liegt auf der Karte ganz rechts oben in Borneo.

Borneo ist ja bekannt für seine Orang Utans. Aber es gibt noch ganz viele andere Sachen zum Staunen. Und da sind wir grad voll dran!

Und wieso jetzt ausgerechnet Borneo???

Ganz einfach: Nachdem sich der Familienrat vor einem halben Jahr aus acht möglichen Reisedestinationen ganz klar für Uganda entschieden hatte, ging ich langsam in die Feinplanung, mit Schimpansen- und Gorillatrecking. Es wurde dann aber schnell klar, dass das mit fünf Personen eigentlich nicht finanzierbar ist. Zeitgleich geisterte noch Ebola durch Uganda, wo wir auch nicht so Lust drauf hatten. Schließlich kam noch Marco mit der Idee um die Ecke, dass er unbedingt Schnorcheln und Tauchen will und da war Uganda plötzlich ganz aus dem Rennen.

Aber wir hatten uns auf Gorillas und Schimpansen gefreut…

Hmmm…

Da waren doch noch woanders Menschenaffen. Die Orang Utans mit den lustigen Frisuren. Leider gibt’s die nur in Indonesien! Und das kam nicht in Frage! Marco und ich waren vor 18 Jahren in Indonesien und die Unterkünfte waren EXTREM mies. Wir gingen damals immer in das beste Hotel auf Platz und selbst das war jeweils unterirdisch schlecht. Also das wollten wir uns und vor allem unseren Kids nicht antun.

Und das war dann ungefähr der Moment als ich realisierte, dass der nördliche Teil von Borneo zu Malaysia gehört. Und Malaysia ist kein Entwicklungsland. Es ist ein Tigerstaat. Und etwa 50 Prozent vom Tigerstaat befinden sich im Norden Borneos, aufgeteilt in die zwei Bundesstaaten Sabah und Sarawak. Müsst ihr euch nicht merken. Interessant daran ist aber, dass sich genau zwischen diesen beiden malaysischen Bundesstaaten das Sultanat Brunei befindet und es auf dem Landweg keine Möglichkeit gibt, von einem Bundesland ins andere zu fahren, ohne dass man durch Brunei muss. Und die malaysischen Autovermietungen tun extrem schwierig mit der Ein- und Durchreise durch Brunei mit Mietwagen und da war schnell klar: wir beschränken uns auf rechts oben, auf den Bundesstaat Sabah.

Und da sassen wir eines Montags morgen übellaunig und verpennt an der Bahnstation Ipsach und machten uns auf eine sehr lange Reise.

Von Ipsach:

Morgens um 5 fünf am BTI-Bähnli in Ipse

Via Abu Dhabi:

Auf dem Flughafen in Abu Dhabi

Via Kuala Lumpur:

Marco organisiert malaysische SIM-Karten

Nach Kota Kinabalu:

Geschafft: Kota Kinabalu, Hauptstadt des malaysischen Bundesstaates Sabah

In Kota Kinabalu blieben wir 2 Nächte. Dies vor allem, um unseren Jetlag zu überwinden und um Kota Kinabalu zu bestaunen.

Und der Stopp erwies sich als wahrer Segen – weil unsere Mimi seit dem Abflug in Zürich unter massiver Übelkeit litt. Und das war eine lästige Sache, die über mehrere Tage anhielt. Mimi verweigerte in dieser Zeit jegliche Nahrungsaufnahme und lebte von ihren Reserven. Jedenfalls ist das der Grund, warum auf sämtlichen Fotos von Kota Kinabalu nur wir vier ohne Mimi drauf sind.

Rocchis in Kota Kinabalu – leider ohne Mimi

Mimi hat das Hotelzimmer gar nicht erst verlassen. Als wir am letzten Abend in Kota Kinabalu vom Nachtmarkt zurückkamen, begegneten wir im Lift unserer Mimi. Wir waren sehr erstaunt, sie nicht im üblichen 5-Meter-Radius der Toilette anzutreffen und fragten entgeistert, wo sie denn so spät am Abend noch hin wolle: Ah, sie will schnell rüber ins Lädeli und sich eine Nudelsuppe holen – sie hat Hunger!!!

Passt!!! Ich komme grad mit! Und da machten wir einen nächtlichen Frauenausflug durch Kota Kinabalu:

Mimis erste feste Nahrung nach 2.5 Tagen: grünes Vanilleeis
I love KK (Kota Kinabalu)

Seitdem ist die Mimi plötzlich genesen und es traten bis Redaktionsschluss keine Beschwerden mehr auf.

Malaysia ist übrigens ein sehr sicheres Reiseland und ich habe mich im nächtlichen Kota Kinabalu allein mit der Mimi nirgends unsicher gefühlt. Wir trafen dann auch in der Folge häufig alleinreisende Frauen. Man wird auch von Einheimischen nicht belästigt oder zu irgendwelchen Käufen genötigt. Sie grüßen nett, fragen eventuell wo man herkommt und dann gehen sie ihrer Wege. Das kennen wir von Indonesien aber ganz anders.

Cultural Village Headhunter

In Kota Kinabalu haben wir den Stamm Monsopiad besucht. Monso- waaaas? Denkt ihr euch jetzt sicher. Jaaa! Die Monsopiad sind ein Eingeborenenstamm. Und die hätten es nie in unseren Blog hier geschafft, wenn sie nicht früher mal Kopfjäger gewesen wären. Und die erbeuteten Köpfe haben sie über die Jahrhunderte gesammelt und liebevoll unter dem Dach aufgehängt und jetzt kann man sie in diesem Dorf im House of Skulls (Schädelhaus) bewundern. Was wir dann auch taten.

Die Schädel im Schädelhaus

Es gab dann auch noch eine Tanzeinlage:

Sieht aus wie ein Indianer? Richtig! Die Südasiaten haben via Südsee Südamerika besiedelt.

Ach ja: Gruselfaktor musste auch noch sein. Wir sollten uns zum Schluss noch durch die Eingeborenen-Kulinarik degustieren und da standen ganz zum Ende des Buffets noch diese Raupen in einer Kokosnussschale herum:

Lecker schlecker Raupen – wollten wir ja immer schon mal 😱

Die Kids rannten alle schreiend davon. Währenddessen erklärte eine Angestellte seelenruhig und unbeirrt, wie man diese Raupen isst. Man muss den Kopf abbeissen und dann darf man die Spezialität genießen. Brrr, wir hatten alle Hühnerhaut und hielten zu den zappelnden Viechern gebührend Abstand. Ein in der Nähe stehender Pole hatte neugierig die Szene beobachtet. Er kam mit hungrigem Grinsen näher, beugte sich über die Raupen, fischte sich die Fetteste heraus – biss den Kopf ab und spuckte ihn in einen Kübel wo schon einige Raupenköpfe lagen und kaute dann genüsslich auf der Raupe herum. Dabei machte er ein Gesicht wie bei einer gehobenen Weinverkostung. Schließlich schluckte er geräuschvoll. Jedesmal wenn ich daran denken muss, wird mir schlecht…

Road Trip mit Chery Tiggo

Unser Lambo für die nächsten 3 Wochen

Am nächsten Tag holten wir das Mietauto und fuhren in die Berge bei Ranau. In den Bergen ist es kalt und es regnet oft.

Herbst im Seeland sieht genauso aus 😏

Der Grund, warum wir uns das antaten, ist eine nach Aas stinkende Blume: die Rafflesia. Wir klapperten ganz Ranau ab und fragten jeden Eingeborenen der uns über den Weg lief. Aber es war nichts zu machen. Die Rafflesia entwickelt sich 9 Monate lang als Knospe, um dann gerade mal 5 Tage lang zu blühen. Und genau heute hatte sie keine Lust zu blühen, weshalb wir unverrichteter Dinge wieder abzogen. Was auch nicht tragisch war, weil unser Häuschen in den Bergen mit Blick auf den viertausend Meter hohen Mount Kinabalu auch sehr gemütlich war:

Kanso Hill Guesthause – voll gediegen
Unsere Terrasse
Mount Kinabalu – der höchste Berg Borneos und Malaysias

Die grösste Nase von Borneo

…wollten wir ja immer schon mal sehen. Nasen werden ja gemeinhin total unterbewertet. Und da kamen wir nach Sepilok und dort gibt es richtig große Nasen. Guckt ihr hier:

Nasenaffe (Proboscis Monkey)

Die Geschichte dahinter ist jedoch weniger lustig: Diese sogenannten Nassenaffen lebten hier nördlich von Sepilok ein unbeschwertes Leben, bis Mister Chan daher kam und hier eine riesige Palmenplantage hinpflanzte. Der grosse Exportschlager ist ja hier das Palmöl und da mussten sich die putzigen Nasenaffen bisschen nach Norden verziehen. Blöderweise kommt im Norden irgendwann das Meer und da hatten die Affen dann nur noch einen immer schmaler werdenden Waldstreifen. Mister Chan taten die Affen offenbar leid und so stoppte er die weitere Ausbreitung seiner Plantage und gründete für die Nasenaffen ein Schutzgebiet. Und dort kann man die Nasentruppe aus nächster Nähe bewundern. Was wir dann auch taten:

Nasenmutti mit Nasenbaby
Das Alphamännchen
„Ich kann flieeeeeeeeegen!!!“

Übrigens: das mit den Nasen, also das ist ja schon sehr eigenartig. Die mit Abstand grösste Nase der Horde hat das Alphamännchen. Es ist das einzige ausgewachsene Männchen der Truppe, der Rest sind bis zu zwanzig Weibchen mit Jungtieren. Und die Weibchen haben offenbar die grosse Nase vom Chef extrem gern und stehen da voll drauf. Und der Chef war da auch gar nicht zimperlich und zeigte auch dem aus wenigen Touristen und uns bestehenden Publikum ungeniert seine Manneskraft. Alle guckten immer peinlich berührt woanders hin und von den Kidz war auch plötzlich nichts zu mehr zu hören 🤪

Orang Utans

Praktischerweise befindet sich ganz in der Nähe ein Auswilderungszentrum für Orang Utans. War ja klar, dass wir da auch noch hin müssen. Orang Utan ist malasyisch/indonesisch und bedeutet „Waldmensch“. Die Orang Utans in Sepilok leben frei und manche kommen zu den Fütterungen ins Center, die zweimal am Tag stattfinden. Die erste um 9 Uhr am Morgen hätten wir fast verschlafen, weil Marcos Handy über Nacht abgestellt hatte und so waren wir mal wieder tierisch im Stress und kamen ungekämmt aber noch rechtzeitig für diesen knutschigen kleinen Kerl hier an:

Der hängt in den Seilen 😉
Immer in Bewegung!
Ich kann auch einarmig 🙂

Während sich seine Mutter etwas unfotogen auf der Plattform gehen liess:

Ist das heute wieder stressig!!!

Nach etwa 20 Minuten hatten es die beiden plötzlich eilig. Mutti schnappte sich ihr Junges und hangelte sich via Seilen und Lianen davon.

Und genau in diesem Moment war auch klar warum: da kam Big Daddy daher – in majestätischer Fettleibigkeit. Markenzeichen: tellerförmiges kreisrundes Gesicht!

Der Chef

Wir waren begeistert. Bis er sich auf die Plattform hockte.

Mit dem Rücken zu uns.

Demonstrativ.

Ey Bro, dreh dich mal!!!

Von hinten auch beeindruckend

Am Mittag tut der Orang Utan Wald plötzlich für zwei Stunden zu: Siesta! Praktischerweise ist aber gleich nebenan eine Auswilderungsstation für Malayenbären. Die habt ihr sicher schon mal in einem Zoo gesehen, oder in einer Tierdoku. Sehen aus wie Kragenbären, sind aber etwas kleiner. Also genau genommen sind es die kleinsten Bären der Welt, wie man hier sehen kann:

Alle Bären der Welt im Grössenvergleich, links von Leonardo der Malayenbär

Und dann räkelte sich direkt vor uns so ein Bärlein in einer Astgabel:

Den nehmen wir mit heim!!!

Der machte dann aber auch beizeiten Siesta ung ging in unspannenden Energiesparmodus über.

…wenn er dann mal ausgeschlafen hat

Und drum schlenderten wir noch bisschen weiter in den Dschungel, bis wir über dieses Schild hier stolperten:

Gefährliche Sache!

Wir lachten noch und meinten, jeden Schmarrn nehmen wir nicht ernst. Als sich plötzlich etwas am Boden bewegte:

Da ist tatsächlich eine Schlange!

Und im Baum war auch noch ein sehr schlankes Tier:

Und das da ist auch keine Liane!

Da kam auch schon ein Parkranger des Weges und erklärte uns, dass die giftig sind. Okay, wir hatten es aber eh grad gesehen. Wir mussten nämlich heim und noch die Koffer umpacken. Für unseren dreitägigen Dschungeltrip. Da kann man keine Koffer mitnehmen. Sondern nur das Nötigste. Also ungefähr drei Liter Insektenschutzmittel 😎😎😎

Dschungeltrip mit Uncle Tan

Am nächsten Tag ging es los.

Wir wurden in Sepilok abgeholt und fuhren 1,5 Stunden bis zum Fluss Kinabatangan. Dort wartete ein Boot auf uns und wir fuhren nochmal 2 Stunden flussaufwärts in den Dschungel.

Also der sollte nur ein Foto von uns machen und dann machte er dieses Selfie 😉
Bis hier sah alles noch ganz harmlos aus…

Und schon waren wir da. Also wo genau? Keine Ahnung! Eine windschiefe Treppe führte von einem improvisierten Bootssteg direkt in den Dschungel. Mittlerweile goss es in Strömen: unser allabendliches Gewitter.

Wolkenbruch über dem Kinabatangan

Wir waren klatschnass und brachten schnell unsere Habseligkeiten in Sicherheit. Da kam auch schon der Chef daher und begrüßte uns auffallend gut gelaunt. Während ich noch überlegte, warum der so gut drauf war, krachte nebenan uns ein riesiger Ast auf den Boden und riss noch eine Bambusstaude mit. Na das geht ja gut los. Der Laune vom Chef tat das keinerlei Abbruch, er erklärte uns, wie sein Camp funktioniert. Selbst dem allergrößten Optimisten wurde schnell klar, dass das hier ein Survival Camp ist!!! Kein fließend Wasser, WC Spülung Handbetrieb mit Flusswasser, Null Internet, etwas Strom am Abend zwischen 5 und 9. Der Chef erzählte Stolz, dass das Camp ein Minus-5-Sterne-Hotel ist.

Mimi hatte sich dank einiger Dschungelkatzen schnell akklimatisiert

Ach ja: geschlafen haben wir in dieser klapprigen Hütte unter Moskitonetzen.

My Home is my Castle!
Spartanische Gemütlichkeit
Flucht vor den Moskitos!
Besucher hatten wir auch, neben Ratten kam manchmal eine ganze Horde Makaken auf unser Dach.

Warum wir uns das antaten? Darum:

Kingfischer
River Safari
Gefährliche Raupen
Mimi bewundert eine Gruppe Baumwollwanzen
Eine einzelne Baumwollwanze
Spinne transportiert ihr Eigelege
Nacht-Safari mit Gruselfaktor
Ein Waran
Kingfisher
Marco und Lorenzo kommen vom Fischen zurück
Ein Leguan hat ein gemütliches Schlafplätzchen gefunden
Flugsaurier?
Fettes Leistenkroko in der Nacht
Noch ein Waran
Ein Baumfrosch
Lorenzo fotografiert eine Spinne
Das ist eine kleine Sensation: Zombie-Pilz

Also zu dem Zombie-Pilz hier muss ich jetzt doch noch etwas ausschweifen, weil das ein ziemlich gruselige Sache ist. Der Pilz dringt als Sporen in ein Insekt ein (Fliege, Ameise, Wespe oder sowas in der Grösse) und fängt von innen her an zu wachsen. Dabei schont er zunächst die lebenswichtigen Organe des Insekts und manipuliert es so, dass es auf einen Busch klettert und sich dort in einer bestimmten Höhe auf ein Blatt setzt. Nun wächst der Pilz parasitär durch das Insekt durch, wodurch das Insekt getötet wird. Auf dem Foto sieht man noch die Reste eines Insekts, die weissen Antennen sind die Fruchtkörper des Pilzes. Also ich finde das ziemlich obergruselig!

Schnecke
Noch ein Baumfrosch
Nächtliche Safari durch den Regenwald
Märchenwald, oder Geisterwald – auf jeden Fall mega schön
Auch wunderschön 🙂
Nach drei Tagen im Survival-Camp: wir haben überlebt!!!

Nach diesem Dschungeltripp haben wir uns auf die Dusche gefreut wie ein Kind auf Weihnachten. Die extrem feuchtheisse Luft und Myriaden von Moskitos waren fast schon eine Grenzerfahrung. Nach zwei Nächten im Dschungel konnten wir uns selbst nicht mehr riechen.

Würden wir es wieder machen?

Jaaaaaa!!!

Weil man so viel erlebt und so viele coole Tiere sieht. Sogar die Mimi meinte, das sei eine coole Erfahrung gewesen und es hat sich auch niemand über fehlenden Strom und Internet aufgeregt. Und mit diesen tollen Eindrücken rocken wir jetzt noch die zweite Hälfte unserer Reise. Wir gehen jetzt wieder in den Nordosten und wollen es vielleicht mal etwas ruhiger angehen. Ausserdem will Marco immer noch Schnorcheln und Tauchen. Das heisst, wir suchen uns jetzt Unterkünfte am Meer.

Wir melden uns dann wieder.

Bis dann…

Tschüssle!!!

In der Hängematte am Blog schreiben 🤗